Kingfisher – ein sehr persönlicher Quilt

Im Frühjahr 2018 stolperte ich bei Instagram über den #kingfisherstitchalong – und war angefixt. So ein bisschen mit der Hand nähen schaff ich auch. Bei Rachel von Stitched in Color konnte ich mir die nötigen Vorlagen für den Kingfisher und die Anleitung herunterladen – kostenlos!

Mein erster Beitrag zum Stitchalong – am 28. Mai 2018. „Einfach mal machen!“ war meine Devise. Ohne Plan, einfach ein paar Hexies nähen und dann mal gucken.

Zwar war mir von Anfang an klar, das ich den Zeitplan garantiert nicht einhalten kann, aber den Quilt wollte ich unbedingt auch nähen. Die Kombination aus Handnäharbeiten und Maschine faszinierte mich.

Wie näht man Hexie-Flowers optimal zusammen?

Natürlich suchte ich nach DER Anleitung, um Hexies effizient und einfach zu nähen. Ich blätterte in Büchern, las Blogs und schaute Videos. Ich probierte diverse Anleitungen aus. Kleben sorgt für zu scharfe Kante (für mich), durch die Pappe heften gefiel mir nicht, da ich die Pappen gerne wieder verwende. Damit war ich dann beim klassischen Heften hängen geblieben – dauert zwar am längsten von allen Varianten, aber ich komm damit am besten zurecht.

Doch wie nähe ich jetzt die Hexie-Flowers? Ich wollte am liebsten eine Lösung, bei der ich mit einem Faden alle Blütenblätter an das Zentrum nähen kann. Wieder recherchierte ich, und wieder gab es viel zu sehen. Aus all diesen Beiträgen entwickelt ich die zu mir passende Methode, Hexies zu einer Hexie-Flower zu verbinden: wer mag, schaut in meine Instastorie-Highlights. Wenn ihr dazu Anmerkungen habt: ich freu mich über Kommentare!

Und wie soll der Quilt eigentlich aussehen?

So ein paar Hexies sind ja überall zu nähen. Einfach ein kleines Nähset in die Handtasche, ein bisschen bunten Stoff … argh! Ein bisschen bunten Stoff? Hilfe, ich hab gar keine Reste! Und überhaupt ist alles bei mir Tula und … oh je! Mindestens 46 Flowers mit je 7 Hexies ergibt ein Minimum von 322 zu nähenden Hexies. Es wäre ja schon schön, wenn so wenige Stoffe wie möglich doppelt vorkommen … und außerdem möchte ich gerne keinen quadratischen Quilt nähen, somit werden es eher mehr als weniger notwendige Elemente. Auf meinen Instagramaufruf erhielt ich eine tolle Resonanz und wunderbare Stoffe von Martina, Birgit, Judith, Dominique, Andrea, Michaela, Antje, Naehsprotte, Edina, Nici, Annette, … und sicher noch ein paar andere liebe Mädels, wo ich aber keine Notiz gemacht habe: bitte verzeiht!

Am Kingfisher gefällt mir, dass ich so frei bin in der Gestaltung, das ein ganz klassisches Ergebnis zustande kommen kann oder etwas ganz modernes. Auch das ich verschiedene Techniken zum zusammensetzen brauche finde ich prima. Die kleinen Blüten unterwegs und später dann die größeren Teile mit der Maschine. Und das Quilting! Hach, da ergeben sich Möglichkeiten! Aber erst mal: Hexies nähen. So knapp 400.

Hexie-Flowers in verschiedenen Stadien des Zusammennähend

Nach den ganzen Hexies ging es dann ans zusammennähen – ich entschied mich für ein „Jede Blüte einfarbig Ton-in-Ton“ oder wie immer man das nennen mag. Es gab noch kein richtiges Farbkonzept. Fest stand: es wird bunt auf hellem Low Volume-Background. Die Ränder? Da wird sich was ergeben.

Ein Jahr ging vorüber

Ich arbeitet immer mal wieder an den Hexies und dann den Blüten für meine Version des Kingfisher Quilts. Und legte diese dann in einen hübschen kleinen Karton – der Stapel wuchs, der Karton wurde zu klein. Wie viele brauche ich? 46? Dann zähl ich doch mal nach. Huch, schon fast fertig! Na dann, Endspurt!

Ich schnitt die Diamanten für den Hintergrund zu, legte zum ersten Mal die Blüten aus … und entschied mich für einen Farbverlauf, mehr oder weniger. Aber wie genau? Diese Überlegung kostete mich einige Nachmittage. Mit Miriam traf ich mich zum nähen – aber geschafft hab ich nix, nur Hexies hin und her schieben, Hintergrund gewichten, das erste Mal über die Border nachdenken … nach diesem Nachmittag stand dein ein ziemlich konkreter Plan für diese Schritte – und ich begann, die Blüten auf die Diamanten zu nähen.

In meiner „ich mag keine Wiederholungen“-Manie entschied ich mich dazu, die Blüten mit dem Appli-Stich meiner Nähmaschine zu nähen. Das empfand ich nach den ersten 20 als Fehlentscheidung – mit Handnähen wäre ich vermutlich doch viel schneller fertig gewesen, da ich ja das Nähzeug bequem überall hätte mit hin nehmen können. Aber 20 Flowers wieder trennen? Nie im Leben! Und hübsch ist es ja doch.

Finales Layout – und Überraschung!

Nachdem ich fast alle Hexies aufgenäht hatte, legte ich nach meinem „so mach es nix, wenn ich meine Stapel vermische oder die Markierung auf der Rückseite verschwindet“-Beweisfoto meine Stücke aus. Und irgendwas stimmte nicht. Doch was? Verflixt nochmal, irgendwas … oh!

Was war das Problem? Wenn ich aus einem regelmäßig unregelmäßig angeordnetem Muster im Quadrat ein Rechteck machen möchte, reicht es nicht, eine Reihe mehr zu machen. Es müssen zwei sein, damit die Symmetrie erhalten bleibt. Grmpf. Somit rutschte das Gefühl von „fast fertig“ auf „verflixt, jetzt nochmal 8 Blüten, hab ich noch genug Hintergrundstoff und reicht das dann noch für den zweiten Rand?“.

Der Quilt und seine Bestimmung

Irgendwann unterwegs wurde mir dann auch klar, für wen dieser Kingfisher Quilt sein soll. War es doch hier auch so: Ein wunderschöner Quilt, es sieht nicht schwierig aus, andere zeigen wunderbare Ergebnisse – warum sollte ich das also nicht können?

Und genau so ging es mir mit meinem ersten Kind. Was so viele Menschen erfolgreich schaffen, sollte auch für mich kein (großes) Problem werden. Und es gibt ja diverse Quellen zum Nachfragen, wenn man mal nicht weiterkommt. Das wird schon!

Doch dann – ich musste eine Entscheidung nach der anderen Treffen. Mal waren sie genial, mal weniger. Mal waren die Tage hell und leuchtend, dann wieder nur blass und nichtssagend. Andere Situationen stiessen mich in ein Tal der Verzweiflung und andere sind noch heute laut und deutlich Highlights. Manche Entscheidungen musste ich rückgängig mache, was manchmal schwer war und ein anderes Mal leicht von der Hand ging.

Zum Glück nahte der Geburtstag meiner Großen – ich hatte ein Ziel.

Endspurt

Nachdem diese Gedanken gesponnen und Stoffe für die Rückseite des Kingfisher ausgesucht waren, ich mir ein Konzept für Rand 1 und 2 ausgedacht hatte, musste ich nur noch arbeiten. Jede freie Minute war ich am rechnen, schneiden, auslegen, nähen … und mit jeder Naht gefiel mir mein Werk besser.

Meine Nähfreunde mussten herhalten und mir den Bauch pinseln, wenn ich mal wieder fluchend davor saß, weil ich die ganzen Diagonalen nicht ausrechnen konnte, das Quilting auf der Haushaltsnähmaschine (nach dem Kontakt mit einer Longarm) nicht so flüssig und präzise funktionierte wie ich es mir vorstellte und wünschte.
Herzlichen Dank nochmal an Andrea, Bettina, Doo Ri, Miriam und Yvonne, die die Hauptlast tragen mussten.

Fürchterlich präzise meine Aufzeichnungen, kein Wunder, das ich zwischendurch an meinen Plänen zweifelte. Leider reichte mein mathematisches Verständnis absolut nicht aus, um mir Schablonen zu erstellen. Das ich ja so ein tolles Werkzeug wie EQ8 auf dem Rechner hatte war mir in diesem Moment entfallen. Wie blöd!

Vollendung

Irgendwann war es tatsächlich geschafft: Das Top des Kingfisher Quilts ist fertig – die Border wirkten so, wie ich es mir gewünscht hatte, der Hintergrund war auch genäht (das der eine Stoff zwar in ausreichender Menge, aber mit nicht zu entfernenden Flecken (Tula Pink Zuma) auf einer Hälfte und vom anderen nur drei statt vier Meter ( Shweshwe) verfügbar war, war eine der kleineren Hürden).

Letzten Donnerstag nähte ich noch bis spät in die Nacht das Binding an – auch hier: breite Streifen oder schmale? Immer diese Entscheidungen! – Nimm doch einfach beide! sagte Henrike – die Idee gefiel mir gut.

Freitag mittag hatte ich dann auch zwei tapfere Quilthalter engagieren können – so sind dann diese Bilder entstanden. Zum Glück schien die Sonne und wir fotografierten draußen. (Leider sah ich die Socken auf den Bildern erst, als der Quilt verschenkt war *grins* immerhin passen sie farblich ganz gut).

Und wie quiltet man den Kingfisher?

Wofür ich mich beim Quilting entschieden habe, könnt ihr auf diesem Bild ganz gut erkennen: Die Diamanten des Kingfisher erhielten einfache, parallele Mehr-oder-weniger-Geraden. Die erste bunte Border wurde einfach nur umrahmt – und in der zweiten, hellen Border hab ich mich dann ausgetobt (heisst übersetzt: war ich mutig genug, die Inspirationen aus dem WALK und den Büchern von Amanda Murphy anzuwenden. Die Flächen waren ja nicht so groß und konnten gegebenenfalls einfach aufgetrennt werden. Was ich einige Male tatsächlich tat, vor allem weil mir die Rückseite in Bezug auf die Fadenspannung nicht gefiel).

Links: Ruler Work – Mitte: Free Motion – Rechts: Walking Foot

Free Motion – Walking Foot – Free Motion – Walking Foot – Free Motion – Ruler Work

Ruler Work – Free Motion – Free Motion – Ruler Work

Free Motion – Ruler Work – Free Motion

Da mich einige, die den Kingfisher in den Händen hielten, fragten, wie die einzelnen Element gequiltet wurden, hab ich es zu den Bildern dazu geschrieben. Tatsächlich hat sich die Walking Foot-Methode bei vielen Richtungswechsel nicht bewährt. Viel zu oft muss „das ganze Gedöns“ gedreht werden.

Diese Ecke ist eines meiner Lieblingsdetails – die Linien der Diamanten im Innern gehen in der zweiten Border weiter, die farbliche Abgrenzung des ersten Randes passt perfekt zu den Hexies daneben und das Quilting mit dem Lineal mag ich auch sehr leiden.

Hier das beste Beispiel dafür, das Schwarz nicht immer trist und zusammen mit grau und gedeckten Farben einher kommen muss, um gut auszusehen. Schwarz kann genau so knallig sein wie pink!

Jetzt ist er verschenkt …

… und ich glaube, er wird nicht wieder herausgegeben.

Liebste große Tochter,
ich hoffe, dieser Quilt wird dich lange begleiten

und meine Liebe zu dir dich immer stärken. 
Mama

2 thoughts on “Kingfisher – ein sehr persönlicher Quilt

  1. Liebes Hühnchen ?
    Wieder einmal habe ich Deinen Blog gerne gelesen, und vielleicht sollte ich in Deine Stapfen treten 120 Hexies habe ich seit Birmingham schon wieder. Vielen Dank für eine unterhaltsame Berichterstattung und der Quilt hätte mir auch mega gefallen ❣
    LG Tina

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